Online Special
Aktuelle und
sehr persönliche Kunsterlebnisse
Text und Fotos: © Amrei Heyne
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36 Grad …
Es ist ein heißer Sommer 2026. Wo ist es wirklich cool? In BAD GASTEIN! Die 16. SOMMER.FRISCHE.KUNST. – das herzliche internationale Kunstfest im Nationalpark Hohe Tauern im Salzburger Land läuft noch bis Sonntag, 30. August.
Das diesjährige hervorragende „Artists in Residence Programm“ bot Platz für acht internationale Künstlerinnen und Künstler.
A. STOYKE, ANNA WIGET, TUHMAT, CORINNA C. WRANA, GABRIELLE KRUGER, MARIANGELA CICCARELLO, MARIELLA MAIER, CARSTEN FOCK wurden von Festivaldirektorin Andrea von Goetz und der klugen Fachjury – Silvie Aigner, Cornelis van Almsick, Celena Jedlicki-Ohmer, Katja Mittendorfer-Oppolzer, Alexander Levy – ausgewählt.
Für mehrere Wochen lebten und arbeiteten die Artists vor Ort; die resultierende Ausstellung „Between Waters“ in Kraftwerk und Quellpark war Einladung, Inspiration und Herausforderung, die Besonderheiten zwischen Offensichtlichem und Verborgenem in Natur und Kultur, Kraft und Stille in individuellen Kunst-Perspektiven zu formulieren.
Die italienische Filmemacherin und Künstlerin MARIANGELA CICCARELLO erforschte bislang mediterranes Terrain. Ihre Arbeit in der Landschaft Bad Gasteins fortsetzend, entstand ein poetisches sinnliches Video – die Sequenzen laufen installativ auf mehreren Bildschirmen und sind eine Meditation zum Nacherleben.
Arbeiten der deutsch-österreichischen Künstlerin CORINNA C. WRANA sind im öffentlichen Raum und im „White Cube“ bzw. in Kraftwerk und Quellpark mit „Das Gras steht ungekämmt im Wald“ präsent. Wrana beschäftigt sich mit antirassistischen, ökologischen und alltagspolitischen Themen und kommentiert die aktuelle Kulturgesellschaft.
Schwarze, samtene Stoffbahnen – „Denklinien“ zerschneiden den Raum und führen uns zu neuer Betrachtung und geschärfter Wahrnehmung der inneren und äußeren Umgebung. Aus dem Sand der Gasteiner Ache formte sie Skulpturen, die im Raum platzierte zitiert ein Wassermolekül, das an der Wand ist auch aus dem Sand der Kötschach geformt.
Die keramischen Objekte der Bodeninstallation von A. STOYKE dürfen berührt werden – so entsteht möglicherweise ein Erfahrungsaustausch / ThinkTank zwischen Materie und intimen Gedanken. Aneignung oder gar Besitz keinesfalls erwünscht – stattdessen Bewegung, Erinnerung, Heilung, Resonanz erbeten.
MARIELLA MAIER, die deutsche multidisziplinäre Künstlerin experimentiert und interessiert sich u.v.a. für natürliche Materialien. In ihrem Raum bietet sie ihre Werkgruppe „Feinstofflichkeiten“ an, der terrestrischen und historischen Beschaffenheit Bad Gasteins geschuldet. Aus Fasern von Brennnesseln, der unterschätztesten Heilpflanze ever, und Schiefer, Eisenoxid, Eisen formt sie nach Abformungsprozessen im Heilstollen, helle zarte segelähnliche raumfüllende frei schwebende Skulpturen und kleine in Plexiglas schwebende rotbraune Reliefs.
Ein Fragment, nein, eine romantische Fotografie eines im Wald entdeckten realen Bruchstücks der ehemaligen Wandelhalle Bad Gasteins ergänzt das Erlebnis.
Und wie wunderbar: „Ein heißer Kern, der alles trägt.“ Eine Intervention für den Kurort Bad Gastein – die Diplomarbeit des jungen Architekten MAXIMILIAN GREINWALDs liegt hier aus. Max und Mariella waren gemeinsam vor Ort und berichteten begeistert.
Eine Ausstellung zu Greinwalds Arbeit ist im Blumenpavillon des Gasteiner Museum im Grand Hotel de l´Europe bis 19. September zu sehen: Ein Entwurf für die Brache des ehemaligen Grabenwirts, den Kontext respektierend, das Thermalwasser programmatisch neu integrierend. Ziel: eine neue räumliche und symbolische Bedeutung wie eine alternative Perspektive für die Zukunft von Bad Gastein aufzuzeigen.
Im Kraftwerk am Wasserfall ist im Erdgeschoss eine kraftvolle Gruppenausstellung von JULIUS VON BISMARCK, MISCHA LEINKAUF und LEONOR SERRANO RIVAS in Großformaten zu sehen.
Im Radon Pavillon – by Haus Hirt ist die Einzelausstellung der fantastischen Schweizer Künstlerin NIVES WIDAUER „If the River is Dreaming…“
Kaiser-Wilhelm-Promenade 10
Bis 30. August 2026!
Für nahezu tägliche Einblicke folgen Sie sie mir auf Instagram @artmapp_on_tour
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und: Tun Sie, was Sie glücklich macht!
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Maastricht? Maastricht! Eine lebendige wie historisch bedeutsame Stadt im Herzen Europas, nahe Belgien und Deutschland ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg.
Köln, Hauptbahnhof. Vor dem Dom erwartete mich ein freundlicher Herr im Anzug – der Ex-Kommissar fuhr mich in dunkler Limousine nach Maastricht bis vor eine James Bond-mäßige Kupferröhre, dem Eingang zum Fünf-Sterne-Design-„Kruisherenhotel“, ein ehemaliges Kreuzritter-Kloster aus dem 15. Jahrhundert mit gotischer Kirche. Im „Spencer’s“ an einer langen Tafel im Klosterhimmel traf ich zum Lunch die internationalen Journalistenkolleginnen und herzliche Gastgeber wie (endlich persönlich) Marnix van Wijk von Visit Maastricht.
Die Kunst-Genuss-Lifestyle-Reise war in vollem Gange. Wir erkundeten mit Paul, einem verliebten „english man in Maastricht“, die Altstadt zu Fuß und hörten Interessantes zur unendlich spannenden historischen Stadtgeschichte und zum heutigen Leben. Wir besuchten die älteste erhaltene Kirche der Niederlande, die große dreischiffige Sankt-Servatius-Basilika – imposant monumental zwischen drei Plätzen gelegen: dem Vrijthof, dem Keizer Karelplein und dem Henric van Veldekeplein. Errichtet auf dem Grab des Heiligen Servatius im romanischen Stil aus Sandstein und Mergel, kann diese, der Kreuzgang und die Schatzkammer mit Kirchenschatz besichtigt werden. Der Schrein des Heiligen Servatius, auch „Notkiste“ genannt, beherbergt einen Teil der Gebeine des ersten Bischofs der Niederlande; dieser gilt bis heute als Stadt-Schutzpatron. Weiter passierten wir den Vrijthof Platz mit dem privaten Fotografie-Museum aan het Vrijthof – eine Empfehlung zur aktuellen Ellen-von-Unwerth-Schau ist in meiner Rubrik „Female Positions“ zu lesen. Wir sahen das gotische Dinghuis (Gerichtshaus und Gefängnis) heute Tourist-Infopoint und im nahen Barock-Rathaus gestattete man unserer Gruppe stolz einen Besuch im prächtigen Ratssaal.
Das historische Zentrum scheint sich permanent weiterzuentwickeln und bleibt doch städtebaulich klug in sich erhalten. Kirchen und Klöster wurden umgenutzt; der weltschönste Buchladen ist „Dominicanen“ – bis vor zweihundert Jahren als Dominikanerkirche in Funktion. Menschen jeden Alters flanieren und bevölkern die Straßen und Cafés und Restaurants. In der besonders bei Deutschen beliebten Universitätsstadt (Maastricht University) mit weiteren Hochschulen, zwei Kunsthochschulen einem Konservatorium kann Architektur, Theater, Kunst, Medizin, Musik, Psychologie … studiert werden.
Apropos Gebeine: Aktuell und in den Schlagzeilen ist der Sensationsfund bzw. die -ausgrabung der möglichen Überreste eines gewissen Charles de Batz de Castelmore, besser bekannt als D’Artagnan. Dieser durch Alexandre Dumas weltberühmte und unter Ludwig XIV. dienende Adelige und Soldat der Musketiere der königlichen französischen Garde fand in Maastricht 1673 den Tod durch eine Musketenkugel.
TEFAF The European Fine Art Foundation – eine der bedeutendsten Kunstmessen der Welt begann in Maastricht 1975 als „Pictura Fine Art Fair“ und verschmolz 1985 mit der 1978 gegründeten „Antiqua“. Seit 1988 findet die TEFAF im MECC im Stadtteil Randwyck statt, 1991 erweitert um zeitgenössische Kunst. Die diesjährige Maastrichter Ausgabe war kurz gesagt: atemberaubend interessant. Wir hatten das Glück von einer sehr kompetenten TEFAF-Kollegin wild, konzentriert, fundiert über die Messe und zu außergewöhnlichen Highlights geführt zu werden. Wie zu Rembrandts Amsterdamer Wohnhaus (heute Museum Rembrandthuis) als 2,65 Meter hohes Puppenhaus in 1:12 bei A. Aardeverk – faszinierende originalgetreue Abbildung der Wohn- und Arbeitswelt des Meisters mit hundert antiken holländischen Silberminiaturen.
Zum dritten Mal gabs die TEFAF Focus Sektion mit Solo-Präsentationen von historischen Neuentdeckungen und modernen Meisterwerken wie z.B. die nigerianische Keramikkünstlerin Ladi Dosei Kwali (1925–1984) bei Tafeta oder der niederländische Architekt und Designer Gerrit Thomas Rietveld (1888–1964) bei der Galerie van den Bruinhorst.
Echter duftender Blumenschmuck potentierte das luxuriöse Kunstereignis wie die großzügige, klare Messegestaltung. Ich wandelte staunend ob der teilweise unwirklichen Darbietungen umher; es gab Elefanten, chinesische Schnitzereien, Miniaturen, Schmuck, antike Möbel, moderne Gemälde, ein Wiedersehen mit dem „blauen“ Max Ernst der BRAFA, Monets, Calders, Tappisserien, René Magritte, einen Salvator Mundi und herrliche Arbeiten von Louise Bourgeois bei Karsten Greve. Für einen exzellenten Überblick über das aktuelle globale Kunstmarktgeschehen empfehle ich unbedingt einen persönlichen Besuch in Maastricht im März 2027 oder im Mai in New York in der Park Avenue Armory. Für die namhaften großen Museen und ihre Kuratoren wie für Sammlungen ist die TEFAF unabdingbarer Termin ob der geballten Möglichkeiten.
Der diesjährige Restoration Found ging an die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden für die Restaurierung der „Die Eberjagd“ von Peter Paul Rubens. Ich freue mich schon darauf, das monumentale Gemälde von 1616–18 wieder leuchten zu sehen – 2027 im Sommer in „Rubens in Dresden“.
In Maastrichts ehemaligem Industriegebiet, dem aufstrebenden Sphinx-Viertel, steht „De roode Fabriek“, eine ehemalige Kokerei in Ziegelrot. Wir folgten einer Einladung zum Studio Visit Valentin Loellmanns und wurden herzlich von seinem Bruder Jonas empfangen; er führte uns durch die lichtdurchflutete Factory und berichtete von der Umgestaltung anhand seiner Bilddokumentation und von Zukunftsplänen für kreatives Begegnen ebenda. Valentin Loellmanns Interior Design Objekte sind vielfältig und reichen von Sitzbänken, Konsolen, Lampen, Tischen, bis zu ortsspezifischen Sonderanfertigungen. Arbeiten von Valentin Loellmann sind in Galerien von Paris bis London oder Seoul erhältlich. Mich erinnerten diese aufgrund ihrer organischen Formen eher an Antoni Gaudis Möbel – Jugendstil neu interpretiert? Gut gefallen hat mir die dialogische Präsentation am Konferenztisch mit Chandigarh-Stühlen von Pierre Jeanneret und toller junger Kunst an den Wänden wie die Fotografien von Jonas Loellmann.
Die Oostwegel Collection, ein Familienunternehmen heute geführt von Camille und Meredith Oostwegel, betreibt exklusive ausgezeichnete Hotels, Restaurants und Tagungsstätten in historisch bedeutenden Gebäuden und in engagierter wahrer Gastfreundschaft. Ein junges Team an Rezeption, in Service und Küche vollbringen Großartiges – Michelin-Sterne prämiert! Wir speisten im Château St. Gerlach im Restaurant Les Salons und andernabends im Château Neercanne, beides unvergessliche Gaumenfreuden und auch dem Geist wurde Genuss zuteil. Auch hier heißt es unbedingt bei Tageslicht wiederkommen, um die Schönheit des Anwesens in Limburgs wunderbarer Landschaft zu sehen. Monsieur Oostwegel senior berichtete im Weinkeller über die Zeit der Maastrichter Verträge, deren Erfolg nicht am Verhandlungstisch im Gouvernementsgebäude begann, sondern hier im Weinkeller. Alle zwölf Regierungschefs hinterließen am 9.12.1991 mit Gastgeberin Königin Beatrix ihre ersten Unterschriften auf einer Wand: Königin Beatrix, Mitterrand, Lubbers, Martens, Schlüter, Kohl, Mitsotakis, Haughey, Andreotti, Santer, Cavaco Silva, Gonzáles Marques, Major. Der Chef de Cuisine Robert Levels begrüßte uns ebenso persönlich. Was für ein wunderbarer Abend!
Maastricht propagiert das neue burgundische Leben – wir probierten und kosteten die Zeit und Kunst in allerbester Gesellschaft aus. Merci! Dankjewel! Daank uuch! (das war Meestrechs bzw. Limburgisch oder Maastrichter Platt)
Fazit: viel gelernt und gesehen, gestaunt und entdeckt, obendrein ein sympathischer, ehrlicher, internationaler Austausch mit Kunst- und Lifestyle-Kolleginnen von Amsterdam, Genua, Madrid, Mailand, London und New York. Maastricht, ich komme wieder!
„Trivia“: Der zweitberühmteste Sohn der Stadt ist André Rieu, seine Open-Air-Juli-Sommerkonzerte am Vrijthof Platz besuchen jährlich Zehntausende aus zig Ländern seit zwanzig Jahren; wieder andere suchen vermutlich eher das Weite. Funfact: Natürlich begegnete ich ihm und seiner Frau Marjorie im Partnerlook in modischem Burgunder auf der TEFAF ;) herrlich entspannt – beim Einkaufsbummel?
Nach Maastricht fuhr ich auf Einladung von Visit Maastricht, der Oostwegel Collection und der TEFAF. Herzlichen Dank an Britta Fischer, die PR-Agentin mit Herz, und Elli!
Wie es im Bonnefanten Museum war und welche Ausstellungen in diesem und nächstem Jahr zu sehen sein werden, lesen Sie bei Insta und in der nächsten ARTMAPP!